Autobiographische Notiz

 

Autobiographische Notiz

Geboren 1949 in Hamburg.

Mit 7 Jahren fiel mir mein Zwillingsbruder auf, der nach einigen Jahren wieder verschwand. Mit 12 Jahren entdeckte ich, dass ich Chinese war. Als Heranwachsender orientierte ich mich unter anderem durch direkt unter der Zimmerdecke schwebende virtuelle Augen. So konnte ich nicht nur die Umgebung, sondern gleichzeitig meine Reaktionen darauf beobachten. Das klappte nur in trägen Momenten, in anderen war ich zu sehr mit meinen Reaktionen beschäftigt. Es gibt genug träge Momente, auch in hektischen Situationen.

Mein Leben bisher war lang genug, um eine stoische Reife erlangt zu haben, zu kurz, um sich mit der Dummheit und dem Deutschtum abgefunden zu haben. Künstlerische Arbeit von Anfang an, aber nur private Veröffentlichungen. Lebenslanger Versuch, bedingte geistige Reflexe abzubauen, das heißt unter anderem, vom Vorurteil über Analyse zur Wahrnehmung zu gelangen; vom Begriff, welcher unsere erste Brille und Scheuklappe zugleich ist, zur Wirklichkeit und, wenn möglich, Wahrheit zu kommen.

Studien: Mathematik und Linguistik.
Berufe & Jobs: Stauer, Krankenpflegehelfer, Schlagzeuger (& -lehrer), Werbekaufmann, Texter, Komponist, Gebrauchsgrafiker, natürlich Taxifahrer.

Als Jugendlicher dachte ich, das Leben gleiche dem Fließen eines Flusses. Ein Fluss fängt klein an, nimmt andere Gewässer auf oder verbindet sich mit ihnen, trägt Lasten, macht weite Kurven, enge Mäander, steile Abstürze, wird breiter und geht auf im Meer, der grenzenlosen Freiheit. Inzwischen lese ich die Fluss-Metapher umgekehrt, von der Mündung zur Quelle: der grenzenlose, gleichzeitig diffuse Traum des Jugendlichen wird immer weiter eingegrenzt, bis er verschwunden ist. Das Leben, das nun die Stelle des Traumes angenommen hat, ist zwar reich an Erkenntnissen; diese lehren aber hauptsächlich die Begrenztheit und relative Erfolglosigkeit individuellen Handelns. Diese Erkenntnisse (die nicht mit Resignation verwechselt werden dürfen!) auszuhalten, ohne sich in infantilen Träumen zu verlieren oder sich von anderen Menschen abzusondern, empfinde ich durchaus als befriedigend und - schön.

 

Sprache: deutsch / english

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